KI-Verordnung ab 2. August 2026: Was Ihr Chatbot Kunden sagen muss
Ab 2. August 2026 muss ein Chatbot in der EU sagen, dass er eine KI ist. Was der KI-Omnibus verschoben hat und was nicht, plus 6 Schritte für kleine Firmen.

Nikolai Tolmachev, Gründer von Tolman Studios
6 Min. LesezeitAktuelles
Kurz gesagt
2.8.2026ab diesem Tag muss ein Chatbot in der EU sagen, dass er eine KI ist. Der KI-Omnibus hat daran nichts geändert
- Ab 2. August 2026 muss ein Chatbot klarmachen, dass er eine KI ist. Spätestens in der ersten Nachricht, außer es ist ohnehin offensichtlich. Das gilt auch für Bots, die schon laufen.
- Der KI-Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744, gilt seit 27. Juli. Er verschiebt die Hochrisiko-Regeln auf Dezember 2027 und August 2028, die Chatbot-Regel aber nicht.
- Realistische KI-Fotos, -Videos oder -Stimmen echter Menschen oder Orte brauchen den Hinweis „KI-generiert“. Einen Blogartikel, den Sie geprüft haben und verantworten, müssen Sie meist nicht kennzeichnen.
Inhalt
Ab Sonntag, 2. August 2026, muss ein Chatbot in der EU klar sagen, dass hier eine KI schreibt. Spätestens in der ersten Nachricht, außer es ist ohnehin offensichtlich. Auch der neue „KI-Omnibus“, der seit 27. Juli gilt, hat dieses Datum nicht verschoben.
Für die meisten kleinen Firmen heißt das: ein ehrlicher Satz in der Begrüßung. Ich bin kein Anwalt. Deshalb erkläre ich unten, was im Gesetz steht, verlinke die offiziellen Texte und zeige, wie ich es auf meiner eigenen Website löse.
Was gilt ab 2. August 2026?
Um Transparenz geht es in Artikel 50 der KI-Verordnung, Verordnung (EU) 2024/1689. Für eine kleine Firma zählen drei Teile davon.
- Chatbots (Artikel 50 Absatz 1). Ein KI-System, das mit Menschen spricht, muss so gebaut sein, dass sie wissen: Das ist eine KI. Ausnahme ist, wenn ein normal aufmerksamer Mensch das ohnehin erkennt. Ein Bot namens „Anna“ mit freundlichem Foto fällt nicht darunter.
- Deepfakes (Artikel 50 Absatz 4). Das betrifft KI-Bilder, -Videos und -Audios, die wie echte Menschen, Orte oder Ereignisse aussehen und für echt gehalten werden könnten. Wer so etwas veröffentlicht, muss sagen, dass es mit KI erstellt wurde. Bei klar künstlerischen oder verspielten Werken reicht ein dezenter Hinweis.
- KI-Text zu Themen von öffentlichem Interesse (Artikel 50 Absatz 4). Soll ein KI-Text die Öffentlichkeit über solche Themen informieren, braucht er einen Hinweis. Der entfällt, wenn ein Mensch den Text geprüft oder bearbeitet hat und die Verantwortung übernimmt.
Artikel 50 Absatz 5 regelt das Wie: klar, spätestens beim ersten Kontakt und barrierefrei. Die Pflicht gilt auch für Bots, die schon seit Jahren laufen.
Im Juni 2026 hat das KI-Büro der Europäischen Kommission den endgültigen Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte veröffentlicht. Er ist freiwillig und richtet sich vor allem an KI-Anbieter. Ein Teil davon ist für Betreiber geschrieben, also für Firmen, die KI einsetzen. Dort sieht man gut, wie ein sauberer Hinweis aussehen kann.
Was hat der KI-Omnibus geändert und was nicht?
Der Omnibus ist ein Paket, das die KI-Verordnung vereinfacht. Der Rat hat am 29. Juni zugestimmt. Am 8. Juli wurde unterzeichnet, am 24. Juli veröffentlicht, und seit 27. Juli 2026 ist der Omnibus in Kraft. Er verschiebt die großen Fristen für Hochrisiko-KI. Die Fristen aus Artikel 50 bleiben, wie sie sind.
| Regel | Vor dem Omnibus | Nach Verordnung (EU) 2026/1744 |
|---|---|---|
| Chatbot sagt, dass er KI ist (Art. 50 Abs. 1) | 2.8.2026 | 2.8.2026, unverändert |
| Hinweis bei Deepfakes und KI-Text zu Themen von öffentlichem Interesse (Art. 50 Abs. 4) | 2.8.2026 | 2.8.2026, unverändert |
| Maschinenlesbare Markierung von KI-Ausgaben (Art. 50 Abs. 2, Sache des Anbieters) | 2.8.2026 | 2.8.2026 für neue Tools, 2.12.2026 für Tools, die schon am Markt sind |
| KI-Kompetenz der Mitarbeiter (Art. 4) | Seit 2.2.2025: „ausreichendes Maß sicherstellen“ | Gilt weiter: „Maßnahmen zur Förderung ergreifen“, kein festes Niveau |
| Hochrisiko-KI etwa bei Personalauswahl, Bildung, Krediten (Anhang III) | 2.8.2026 | 2.12.2027 |
| Hochrisiko-KI in regulierten Produkten (Anhang I) | 2.8.2027 | 2.8.2028 |
Welche Daten sind wichtig?
1.8.2024
Die KI-Verordnung tritt in Kraft.
2.2.2025
Die schlimmsten KI-Anwendungen sind verboten. Artikel 4 zur KI-Kompetenz der Mitarbeiter gilt.
2.8.2025
Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck gelten, also für die Modelle hinter ChatGPT, Gemini oder Claude. Die Staaten müssen ihre Sanktionsregeln festgelegt haben.
27.7.2026
Der KI-Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744, tritt in Kraft.
2.8.2026
Artikel 50 gilt: Chatbots sagen, dass sie KI sind, Deepfakes bekommen einen Hinweis. Nationale Behörden können das durchsetzen.
2.12.2026
Für generative KI-Tools, die schon am Markt sind, endet die Schonfrist bei der maschinenlesbaren Markierung. Neu verboten sind „Nudify“-Apps und KI-generierte Darstellungen von Kindesmissbrauch.
2.12.2027
Hochrisiko-Regeln für Bereiche aus Anhang III wie Personalauswahl, Bildung und Kredite.
2.8.2028
Hochrisiko-Regeln für KI in regulierten Produkten wie Maschinen, Spielzeug und Medizinprodukten.
Was sollte eine Firma mit Website-Chatbot jetzt tun?
- Sagen Sie es in der ersten Nachricht. Zum Beispiel: „Grüß Gott, ich bin der KI-Assistent von Salon Anna in Wien. Ich antworte anhand unserer Preisliste.“ Schreiben Sie „KI-Assistent“ auch in den Titel des Chatfensters.
- Zeigen Sie den Weg zu einem Menschen. Ein Button oder ein Satz wie „Schreiben Sie ‚Mensch‘, dann antwortet Anna persönlich“. Das Gesetz verlangt das nicht ausdrücklich. Kunden erwarten es aber, und es erspart Ihnen verärgerte Bewertungen.
- Prüfen Sie jeden Kanal. Derselbe Satz gehört in Ihren Bot auf WhatsApp, Instagram oder am Telefon. Ein Sprachbot sagt es gleich zu Beginn des Anrufs.
- Fragen Sie Ihren Anbieter. Nutzen Sie ein fertiges Chatbot-Tool, fragen Sie nach, ob der KI-Hinweis standardmäßig aktiv ist und ob Sie ihn anpassen können.
- Weisen Sie Ihr Team ein. Eine Stunde reicht. Welche Fragen beantwortet der Bot, wo liegt er daneben, und was kopiert man nie in ein KI-Tool? Notieren Sie das Datum und wer dabei war. Das ist Ihre Hausaufgabe aus Artikel 4, fällig seit Februar 2025.
- Kennzeichnen Sie realistische KI-Bilder. Ein KI-„Foto“ Ihres Geschäfts oder einer lächelnden Kundin in einer Anzeige bekommt den kurzen Hinweis „KI-generiert“.
Auf meiner eigenen Website steht unter dem Titel des Chatfensters „KI-Assistent · antwortet mit Infos von dieser Website“. Die erste Nachricht beginnt mit „Hallo! Ich bin der KI-Assistent dieser Website.“ Unter dem Chat gibt es Buttons, über die Sie mir direkt per WhatsApp, Telegram oder E-Mail schreiben. Darunter steht kurz, dass KI Fehler machen kann. Bots für meine Kunden richte ich genauso ein.
Wie hoch sind die Strafen?
- Höchststrafe bei Verstößen gegen Artikel 50. Für große Firmen gilt der höhere Betrag
- 15 Mio. € oder 3 %
- KI-Verordnung, Art. 99 Abs. 4
- für KMU und Start-ups ist der niedrigere der beiden Beträge die Obergrenze
- der niedrigere
- KI-Verordnung, Art. 99 Abs. 6
- Obergrenze für eine Firma mit 200.000 € Jahresumsatz (3 %)
- 6.000 €
- meine Rechnung nach Art. 99 Abs. 6
Einfach gesagt: Für eine kleine Firma liegt die Obergrenze bei 3 % des weltweiten Umsatzes im letzten Geschäftsjahr. Der Omnibus hat außerdem Verwarnungen und andere Maßnahmen ohne Geldbuße in Artikel 99 aufgenommen. Und die Behörden müssen berücksichtigen, ob eine kleine Firma die Strafe wirtschaftlich übersteht. Die Details regeln die Staaten selbst, in Österreich genauso wie in Deutschland. Wie oft sie kleine Websites kontrollieren werden, weiß noch niemand. Ein Satz in der Begrüßung kostet nichts.
Wie geht es weiter?
Wenn Sie noch überlegen, ob sich ein Chatbot überhaupt lohnt, lesen Sie zuerst, wo KI-Chatbots helfen und wo nicht. Nutzen Sie Metas kostenlosen Agenten auf WhatsApp, lesen Sie meinen Beitrag über den Meta Business Agent. Dort geht es auch um die Begrüßung. Und wenn ich die erste Nachricht Ihres Bots prüfen oder ihn sauber einrichten soll, sehen Sie hier, was ich bei KI und Automatisierung mache.
Häufige Fragen
Hat der KI-Omnibus die Chatbot-Pflicht verschoben?
Nein. Artikel 50 gilt ab 2. August 2026. Eine Schonfrist gibt es nur für die maschinenlesbare Markierung von KI-Ausgaben (Artikel 50 Absatz 2). Sie betrifft nur generative KI-Tools, die schon vor dem 2. August auf dem Markt waren, und läuft bis 2. Dezember 2026. Um diese Markierung kümmert sich der KI-Anbieter.
Gilt das auch für einen Bot auf WhatsApp oder Instagram?
Ja. Die Regel gilt für jedes KI-System, das mit Menschen spricht, egal wo es läuft. Beginnen Sie das Gespräch mit einem Satz, der sagt, dass hier ein KI-Assistent antwortet.
Muss ich Blogartikel kennzeichnen, die ich mit ChatGPT schreibe?
Meist nicht. Ein Hinweis ist nur bei KI-Text nötig, der die Öffentlichkeit über Themen von öffentlichem Interesse informieren soll. Und selbst dann nicht, wenn ein Mensch den Text geprüft oder bearbeitet hat und die Verantwortung dafür übernimmt.
Wie hoch sind die Strafen?
Bis zu 15 Mio. € oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes. Für kleine und mittlere Unternehmen zählt der niedrigere der beiden Beträge. Bei 200.000 € Jahresumsatz liegt die Obergrenze also bei 6.000 €.
Brauchen meine Mitarbeiter einen KI-Kurs?
Seit 2. Februar 2025 verlangt Artikel 4 von Firmen, die KI nutzen, dass sie sich um die KI-Kompetenz ihrer Leute kümmern. Der Omnibus hat das abgeschwächt. Sie sollen diese Kompetenz fördern, ein festes Niveau schreibt niemand vor. Eine kurze Einweisung, die Sie schriftlich festhalten, ist ein guter Anfang.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 4, 50 und 99, EUR-Lex, geprüft am 28. Juli 2026
- Verordnung (EU) 2026/1744 (KI-Omnibus), ABl. L vom 24. Juli 2026, EUR-Lex, geprüft am 28. Juli 2026
- AI Omnibus enters into force, Europäische Kommission, 27. Juli 2026
- Timeline for the implementation of the EU AI Act, Europäische Kommission, AI Act Service Desk, geprüft am 28. Juli 2026
- AI Act, Artikel 99: Sanktionen (geänderte Fassung), Europäische Kommission, AI Act Service Desk, geprüft am 28. Juli 2026
- Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte, Europäische Kommission, geprüft am 28. Juli 2026
- Artificial intelligence: Council gives final green light to simplify and streamline rules, Rat der EU, 29. Juni 2026
Fakten und Preise: Stand laut Datum in den Quellen.

Nikolai Tolmachev
Gründer von Tolman Studios
Von der Slowakei aus baue ich Websites und KI-Chatbots und betreue Werbung für kleine Unternehmen. Davor habe ich über vier Jahre IT-Projekte geleitet. PMP und Certified ScrumMaster.